"Der Tag, an dem man einen Entschluss fasst, ist ein Glückstag!" 

       (Japanisches Sprichwort)

Einige Jahre habe ich als Hauptschullehrerin gearbeit, und das gerne. Ich habe miterlebt, das Schülerinnen und Schüler sich selbst als Verlierer des Schullebens gesehen haben und sich dann auch so verhalten haben. Ich habe über Jahre gesehen, wie die Kinder mit zunehmend weniger familiärem Hintergrund und mit immer größeren finanziellen Sorgen in die Schule gekommen sind. Wie sie ihre Beziehungslosigkeit in der Schule darstellten und Geldsorgen ihr Handeln bestimmte. Über einen langen Zeitraum ist mir aufgefallen, dass die vornehmlichen Beziehungspartner dieser Kinder zunehmend Computerspiele, Internetchatrooms und Gameboards geworden sind. Und dass die Kinder deshalb wenig vom "echten" Leben wissen, übernächtigt sind und schlecht konzentriert...

Schon 1975 hat Erich Fromm, der bedeutende Philosoph und Psychotherapeut in einem Spiegel-Interview geäußert, dass der Mensch eine leblose Welt der totalen Technisierung und Bürokratisierung geschaffen hat, in der er sich selbst und anderen gegenüber zunehmend entfremdet, an Depressionen leidet und sich machtlos und gefangen fühlt. Fromm sprach vom Menschen als Automaten, der nur mehr Gehirn besitzt, aber kaum mehr Gefühle. Die Folge daraus ist, so folgerte Fromm, das die Zerstörung die Rache für das ungelebte Leben sei - an sich selbst und an anderen. "Zerstörung ist die Kreativität der Hoffnungslosen".

Es scheint nicht so, als hätten die mahnenden Worte von vor mehr als 30 Jahren irgend etwas in der Pädagogik der Schule, aber auch vor allem in der Erziehung der Elternhäuser bewirkt. Es scheint so zu sein, dass Jugendliche am Licht vor allem der Schatten interessiert, an jeder Entscheidung die Fehlentscheidung und an jeder Wirkung die Nebenwirkung.

Und trotzdem! Alle Mädchen und Jungen haben eine Sehnsucht nach Harmonie, nach tragfähigen Beziehungen, nach Anleitung, nach Ritualen. Dies hat meine Arbeit getragen und hat geholfen, manch belastende Situation im Beruf zu ertragen.

Erich Fromm sah als Gegenpol der Hoffnungslosigkeit die Kohärenz. Sie ist eine persönliche Leistung, keine gesellschaftliche, und sie hilft, Belastungen zu bestehen und Fehlentwicklungen abzubauen. Sie ist die Verbindung des Lebens mit Zusammenhang und Sinn, mit Vision und Glauben.

Mich hat aber immer wieder die Frage bewegt, welchen Einfluss die Schule auf diese Situation nehmen kann. Dabei wurde mir klar: einmal müssen diese Einflüsse möglichst früh erfolgen - je früher in der Kindheit, desto besser - zum anderen muss "Schule" es wagen, neue Wege zu beschreiten. Viele Ansätze der Pädagogik scheinen zu scheitern, weil sie möglicherweise zu wenig berücksichtigen, dass einerseits Beziehungslosigkeit, andererseits aber auch Lebens- und Naturferne unseres modernen Lebens den größten Teil der Kinderwirklichkeit ausmachen. Kann man mit medial perfekt inszenierten Unterrichtsmethoden Kohärenz vermitteln?

Als jahrzehntelange Hundeliebhaberin las ich dann immer wieder über "Therapiehunde" - Hunde, die z.B. alte Menschen in Senioreneinrichtungen besuchen oder dort mit ihnen leben. Ich nahm zur Kenntnis, was ich schon immer wusste: dass diese Hunde einen ausgesprochen positiven und harmonischen Einfluss auf die Menschen nehmen. Und als ich dann las, dass Versuche mit Hunden in Schulklassen gemacht würden - da wusste ich:

 Das ist es!

Hier hast Du Deine persönliche pädagogische Möglichkeit gefunden, Unterricht zu gestalten, guten Einfluss auf Kinder zu nehmen, den Schwierigkeiten der Schule im Hinblick auf die m.E. drängendsten Probleme der Zukunft, nämlich der schwierigen Aufnahme und Pflege von tragfähigen Beziehungen und überdauernden Gewohnheiten und Ritualen sowie der Überfrachtung der Kinderköpfe mit "virtuellem Gedankenschrott", zu begegnen. Ein Hund, dessen Beziehung zum Menschen auf Grund der vielen, vielen Jahre gemeinsam durchgemachter Evolution von vielen Wissenschaftlern schon fast als symbiotisch zum Menschen betrachtet wird, ist geeignet mitzuhelfen, im einzelnen jungen Menschen so etwas wie Kohärenz entstehen zu lassen. Bewiesen ist, dass erwachsene Gewalttäter sehr häufig schon früh gewalttätig gegenüber Tieren waren; sie richteten ihre Rache gegen sich selbst bzw. schon beizeiten z.B. gegen ihr Haustier. Liegt da nicht der Umkehrschluss nahe, dass ein junger Mensch, der die Gelegenheit und die Anleitung hat, einen Hund in sein Leben und seine Arbeit zu integrieren, zuverlässig und gefühlvoll mit sich und seinem Mitgeschöpfen umzugehen lernt?

So habe ich die Möglichkeiten geprüft, einen Hund anzuschaffen, der für diese anspruchsvolle Tätigkeit geeignet ist. Ich habe mich informiert über geeignete Rassen, über Gesundheitsvorsorge, über die Anforderungen, die an einen Schulbegleithund gestellt werden und mit welchen Voraussetzungen er sie am besten erfüllen könnte. Ich habe meine Pläne von der Schulbehörde absegnen lassen und mir ein "Okay" an allen wichtigen Stellen geholt. Ich habe die Mitwirkenden an unserer Schule überzeugt. Das war ein langer Weg und viel Arbeit. Und am allerwichtigsten: ich habe mich gründlich über die Mopszucht informiert und sorgfältig ein Möpschen gewählt, denn ich weiß:

"Dem Hunde, wenn er gut gezogen, wird selbst ein weiser Mann gewogen."

(Johann Wolfgang von Goethe)