"Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg."

(Henry Ford)

Die Bindung zu seinem Menschen ist die allerwichtigste Voraussetzung für den Einsatz eines Schulbegleithundes. Es muss als Basis eine vetrauensvolle Beziehung geben, denn dann können alle Mitwirkenden davon ausgehen, dass der Lehrer seinen Hund bestens kennt und kontrollieren kann. Beide fungieren als Einheit. Deshalb ist es sinnvoll, wenn der Lehrer sich und seinen Hund ausgebildet hat - natürlich unter fachkundiger Anleitung.

Vertrauen als Grundlage der Beziehung zum Menschen fängt meiner Meinung nach bei der Geburt des Welpen an. Eine Hundemama, die vermittelt, dass die Welpen sich beim Züchter wohlfühlen können, Familienmitglieder, die sich liebevoll annähern sind die Initialzündung des Urvertrauens. Die anderen Hunde des Züchterrudels tragen wesentlich zur Sozialisierung nach Hundeart bei. Der Welpe lernt, seine Körpersprache korrekt nach Hundart einzusetzen. Ein guter Züchter sorgt schon in den ersten Lebenswochen umsichtig dafür, dass der kleine zukünftige Schulbegleithund (wovon beide wahrscheinlich noch nichts wissen), resistent wird gegen Geräusche wie Kindergeschrei, Elektogerätelärm, Klingeln, Autokrach, Gewitterdonner... Solche positiv verknüpften Erfahrungen kann dem Kleinen nur schwer der zukünftige Lehrer ersetzen, einfach, weil es ein optimales Zeitfenster für so etwas gibt.

Bisherige Studien zeigen, dass sehr wohl ältere Hunde und/oder Fundtiere ein wunderbares Team mit ihrem Pädagogen bilden können. Für meinen Schulmops Suki sehe ich jedoch die besseren Voraussetzungen in einer umsichtigen, liebevoll überwachten Sozialisation ihrer Züchterin.

In einer Zeit, in der das Bindungsverhalten des Welpen noch ausgeprägt ist, naht dann der Wechsel des kleinen Schulbegleithundes zu seinem Lehrer. Nun hat er alle Chancen, die Bindung aufzubauen, die für den späteren Einsatz so wichtig ist.

Suki ist im Alter von 12 Wochen zu mir gekommen.                                                                          In der ersten Woche unseres Zusammenlebens ist sie vorsichtig an alle häuslichen Bereiche herangeführt worden. Körperkontakt ist mir sehr wichtig, so durfte und darf Suki selbstverständlich bei mir schlafen. Für unsere Bindung ist es mir von Anfang an wichtig gewesen, dass wir als Rudel zusamenleben!

Hier das erste "offizielle" Foto vom Leben im neuen Zuhause:


Die zweite Woche war dadurch gekennzeichnet, dass wir in größer werdenden Kreisen um unseren häuslichen Mittelpunkt die Welt da draußen erkundigt haben. Bei allem Unbekannten lernte sie: wenn ich es nicht für bemerkenswert halte, ist es auch für Suki ungefährlich. Eine große Hilfe war zusätzlich Sukis Mutter Hopi, die wir ebenfalls übernehmen durften.

In der Folgezeit lernte Suki mit im Auto zu fahren, sich in Menschenmengen aufzuhalten und ihre Geräusche zu ertragen, sie ging das erste Mal (inoffiziell) mit in meine Schule. Sie lernte sich anfassen (! - nicht angrapschen!) zu lassen, merkte, dass es nicht schlimm ist, wenn sie mal etwas weggenommen bekommt, dass sie auch mal etwas liegen lassen muss. Und, natürlich, sie lernte auch einmal allein zu sein. Ein Schulbegleithund würde nach kurzer Zeit "ausbrennen", würde er alle Wochenstunden seinen Lehrer begleiten. Sein Einsatz ist begrenzt! Deshalb musste Suki auch damit klar kommen, mal ohne Rudelführer zu sein.

Ausschließlich über positive Bestärkung lernt Suki ihr Verhalten zu steuern. Unerwünschtes Verhalten wird weitgehend ignoriert. Das ist durchaus nicht immer leicht. Was ist zum Beispiel, wenn Suki so leckere Dinge wie Pferdeäpfel findet und gerade so genüsslich....? Da muss auch ich schreien und schimpfen - aber besser nicht mit Suki, sondern mit den gefährlichen, hundsgemeinen, nicht auszuhaltenden Pferdeäpfeln, die es wagen, lieben kleinen Hunden ins Maul zu hüpfen... Was ist zum Beispiel, wenn Suki gerade am Anfang noch häufiger in die Wohnung pieselt? Da muss die zusammengerollte Zeitung her - damit ich sie mir über den Kopf hauen kann, weil ich schon wieder vergessen hatte, Suki im Auge zu behalten! Wer mehr über Sukis Erziehung z.B. mit dem Klicker, aber auch über Pferdeäpfel-Alarm - so aus Hundesicht - wissen möchte, der lese nach auf Sukis-Homepage...

www.sukimops.de

"Positive Verstärkung ist die Grundlage aller Erziehung und Ausbildung zum Schulbegleithund!" Diesen Appell richtet der Dachverband aller Organisationen, die sich mit der Mensch-Tier-Beziehung befassen (IAHAIO),  an die Ausbilder von Therapiehunden - und das schon vor 10 Jahren in den sog. "Prager Richtlinien der IAHAIO". Im Hinblick auf die besondere Achtung der Lebensqualität des Hundes, der Menschen als "Dienstleister" zur Verfügung steht, heißt es (auszugsweise):

1. Es werden nur Tiere eingesetzt, die mithilfe der positiven Verstärkung ausgebildet wurden und artgerecht untergebracht und betreut werden.

2. Es werden Vorkehrungen getroffen, damit die Tiere keinen negativen Einflüssen ausgesetzt sind.

3. Der Einsatz von Tieren in helfender Form sollte in jedem Einzelfall begründete Erfolgsaussichten haben.

4. Es sollte die Einhaltung von Mindestvoraussetzungen garantiert sein und zwar im Hinblick auf Sicherheit, Risikomanagement, Wohlbefinden, Gesundheit usw. Ein angemessenes Arbeitspensum sollte für alle beteiligten Personen klar definiert sein. *)

*) dem Buch "Das Therapiehunde-Team" entnommen

Die Richtlinien sprechen an, wonach ich mich in meiner Arbeit mit Suki ausdrücklich richte - denn auch das gehört zu einem guten Team: Suki wird nur eingesetzt, wenn meine pädagogische Zielsetzung zu erreichen ist - und das deshalb, weil Suki aufgrund der immensen Belastungen z.B. durch Lärm, Außenreize, Stimmungen und Gefühlslagen nur "Teilzeit" arbeiten kann. Die gute Beziehung zu Suki und Sukis Bindung an mich ist deshalb so wichtig, weil ich in der Lage sein muss, die typischen Zeichen der Überforderung in der Hundesprache zu lesen. Im allgemeinen sind dies die typischen "Beschwichtigungssignale", wie sie z.B. Turid Rugaas beschreibt. Dies sind Hilferufe des Hundes, die vom Teampartner nicht übersehen werden dürfen!

Insofern achte ich darauf, dass Suki ein entspanntes Ausgleichsleben mit Bewegung und Schlaf und ausreichenden Kontakt zu Hunden hat - da kann sie Kraft tanken.

Im Alter von 12 Monaten haben Suki und ich mit dem Training zum Schulbegleithund  begonnen - offiziell, denn eigentlich haben wir die Inhalte spielerisch von Anbeginn geübt. Die Frage ist: Was muss denn ein Schulbegleithund offiziell können? Welches Zeugnis macht ihn "gut"? Womit ist die Schulbehörde zufrieden? Was klingt gut in den Ohren von Entscheidungsträgern? Diese Fragen werden hier in Nierdersachsen nicht allgemeingültig beantwortet. Ich gebe es offen zu: abgesehen davon, dass wir beide wirklich viel von unserer gemeinsamen Ausbildung profitieren, ist ein Zertifikat darüber ein bisschen so etwas wie Werbung. Sukis und mein Vorhaben wird leichter akzeptiert.

Suki und ich haben im Februar 2010 mit unserer Ausbildung in tiergestützter Pädagogik im Institut Social Dogs in Nottuln bei Münster begonnen. Hier verwirklicht man die vorgenannten Kriterien, die Hunde im Mittelpunkt der Ausbildung zu sehen, so dass auch sie am Ende von ihren Einsätzen profitieren. Die Ausbildung ist hundegerecht und basiert auf der Grundlage lerntheoretischer Standards und neuesten kynologischen Forschungsergebnissen. Mehr über die Art der Ausbildung könnt Ihr unter

www.socialdogs.de

erfahren.

Kleiner Hund lernt Großes